Flugtauglichkeits-Untersuchung

Zur der die HNO betreffende Beurteilung der Flugtauglichkeit auf der Grundlage der derzeit geltenden europäischen Regularien werden 2 Werke herangezogen.

  1. Bekanntmachung der Bestimmungen über die Anforderungen an die Tauglichkeit des Luftfahrtpersonals (JAR-FCL 3 deutsch) in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. März 2007 (BAnz. Nr. 94a vom 23. Mai 2007)
  2. Durchführungsverordnung (EU) 2019/27 der Kommission vom 19. Dezember 2018 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 zur Festlegung technischer Vorschriften und von Verwaltungsverfahren in Bezug auf das fliegende Personal in der Zivilluftfahrt gemäß der Verordnung (EU) 2018/1139 des europäischen pParlaments und des Rates.

JAR-FCL 3.230 und JAR-FCL 3.350

Bei Erstuntersuchung für die Tauglichkeit Klasse 1 muss eine umfassende Hals-Nasen-Ohren- Untersuchung durch ein flugmedizinisches Zentrum oder einen HNO-Facharzt durchgeführt werden. Bei zweifelhaften Untersuchungsbefunden ist eine HNO-fachärztliche Überprüfung grundsätzlich erforderlich.

Bei Verlängerungs- oder Erneuerungsuntersuchungen ist bei Bewerbern mit krankhaften oder zweifelhaften Befunden grundsätzlich eine HNO-fachärztliche Überprüfung erforderlich.

Bewerber mit einer einzelnen trockenen Perforation des Trommelfells nicht-entzündlicher Ursache, die die normale Funktion des Ohres nicht beeinträchtigt, können als tauglich beurteilt werden.

Spontan- oder Lage-Nystagmus erfordert eine Abklärung durch einen HNO-Facharzt. Hierbei machen pathologische kalorische oder postrotatorische Vestibularreaktionen untauglich. Bei Verlängerungs- oder Erneuerungsuntersuchungen muss die klinische Relevanz pathologischer Vestibularreaktionen für die Tauglichkeit Klasse 1 durch ein flugmedizinisches Zentrum und für die Tauglichkeit Klasse 2 durch ein flugmedizinisches Zentrum oder einen flugmedizinischen Sachverständigen Klasse 1 überprüft werden.

Die flugmedizinische Bewertung maligner Erkrankungen des Organsystems Hals, Nase, Ohren wird im Onkologie-Kapitel behandelt. Darin heisst es, dass die Tauglichkeit Klasse 1 durch ein flugmedizinisches Zentrum und die Tauglichkeit Klasse 2 durch ein flugmedizinisches Zentrum oder einen flugmedizinischen Sachverständigen Klasse 1 erteilt werden kann, wenn:

  1. eine je nach Tumortyp angemessene Karenzzeit nach Abschluss der Behandlung verstrichen ist
  2. das Risiko einer plötzlichen Handlungsunfähigkeit während der Ausübung der mit der Lizenz verbundenen Rechte durch Rezidiv oder Metastasen vertretbar ist

JAR-FCL 3.235 und JAR-FCL 3.355

Eine Reintonaudiometrie muss die Frequenzen von 500 - 3.000 Hz umfassen. Die Hörschwellen müssen für die folgenden Frequenzen 500 Hz, 1.000 Hz, 2.000 Hz und 3.000 Hz bestimmt werden.

Schwerhörigkeit muss bei Bewerbern um Tauglichkeitszeugnis Klasse 1 durch ein flugmedizinisches Zentrum und um Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 durch ein flugmedizinisches Zentrum oder einen flugmedizinischen Sachverständigen Klasse 1 abgeklärt und beurteilt werden.

Die Tauglichkeit kann bei Verlängerung und Erneuerung erteilt werden, wenn ein befriedigendes Hörvermögen in einem Geräusch-Umfeld, das den normalen Arbeitsbedingungen im Cockpit entspricht, nachgewiesen werden kann.

MED.B.080

Für die Erteilung eines Tauglichkeitszeugnisses der Klasse 1 und für die Erteilung eines Tauglichkeitszeugnisses der Klasse 2 bei Ergänzung der Lizenz um eine Instrumentenflugberechtigung oder Strecken-Instrumentenflugberechtigung ist das Hörvermögen bei der Erstuntersuchung, bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres alle 5 Jahre und danach alle 2 Jahre mit Reintonaudiometrie zu überprüfen.

Bei Bewerbern, die sich erstmalig ein Tauglichkeitszeugnis erteilen lassen möchten, darf der bei einer Reintonaudiometrie auf jedem Ohr einzeln gemessene Hörverlust bei einer Frequenz von 500 Hz, 1.000 Hz oder 2.000 Hz nicht mehr als 35 dB und bei einer Frequenz von 3.000 Hz nicht mehr als 50 dB betragen. Bewerber mit einem stärker beeinträchtigten Hörvermögen, die sich ihr Tauglichkeitszeugnis verlängern oder erneuern lassen möchten, müssen ein zufriedenstellendes Hörvermögen nachweisen.

Eine umfassende Untersuchung von Hals, Nase und Ohren ist bei der Ersterteilung eines Tauglichkeitszeugnisses der Klasse 1 und danach bei klinischer Indikation in regelmäßigen Abständen durchzuführen.

Bewerber mit einem der folgenden medizinischen Befunde müssen sich weiterführenden Untersuchungen für den Nachweis unterziehen, dass der Befund die sichere Ausübung der mit der/den verwendeten Lizenz(en) verbundenen Rechte nicht gefährdet:

  1. Hypakusis
  2. aktive pathologische Veränderung des Innen- oder Mittelohrs
  3. nicht verheilte Perforation oder eine Fehlfunktion eines Trommelfells oder beider Trommelfelle
  4. Fehlfunktion der Eustachischen Röhre(n)
  5. Störungen des Gleichgewichtssinns
  6. signifikante Behinderung der Nasengänge
  7. Funktionsstörung der Nasennebenhöhlen
  8. signifikante Missbildung oder signifikante Infektion der Mundhöhle oder der oberen Atemwege
  9. signifikante Sprach- oder Stimmstörungen
  10. Folgen einer Operation des Innen- oder Mittelohrs